Selten ist ein Abend auf einer Freien Szene-Spielstätte so prominent besetzt wie diese Roman-Adaption im Festsaal der Sophiensaele. Mit Fritzi Haberlandt und Meike Droste stehen zwei Spielerinnen auf der Bühne, die sich mittlerweile auf TV- und Kinorollen konzentrieren und in den 2000er Jahren wichtige, mit Theatertreffen-Einladungen prämierte Ensemble-Spielerinnen an großen Häusern waren: Haberlandt am Hamburger Thalia Theater und am Berliner Maxim Gorki Theater, Droste ein paar hundert Meter weiter am Deutschen Theater Berlin.
Offensichtlich handelt es sich bei dieser Arbeit um ein Herzensprojekt der prominenten Spielerinnen, die sich hierfür mit den beiden Regisseurinnen Sabine auf der Heyde und Holle Münster zusammentaten. Aus dem 416 Seiten dicken Roman „Auf allen Vieren“ von Miranda July, der bei seinem Erscheinen im Frühsommer 2024 von den Feuilletons einhellig bejubelt wurde, machen sie einen feministischem Selbstfindungs-Monolog über die Menopause, wobei sie sich die Bälle geschickt zuspielen und die jeweils andere immer die Nebenrollen (Kinder, Liebhaber, Ehemann, Freundinnen, etc.) spielt.
Das Publikum darf es sich wahlweise auf den gewohnten Klappstühlen oder weichen Betten gemütlich machen, während die beiden Spielerinnen beim schleppenden Einlass gefühlt die Hälfte des Publikums mit einer Umarmung empfangen. Intim sind Atmosphäre und Themen an diesem pausenlosen 2:15 h-Theaterabend.

Anfangs riecht es noch meilenweit nach Roman-Adaption, wenn sich Droste/Haberlandt noch recht statisch an den Text herantasten. Doch sie spielen sich langsam frei, spätestens wenn der geplante Road-Trip der Hauptfigur von L.A. nach NYC schon nach der ersten Etappe mit einer Amour fou mit dem jüngeren Tankwart Davey in einem schäbigen Motel endet.
Vom plötzlichen Absturz des Östrogen-Pegels mit Mitte 40 bis zu den Alltagssorgen mit den Kindern verhandelt der tragikomische Text eine Reihe von Themen, die viele im Publikum sehr persönlich angehen. Kleine Choreographien und vor allem Gesangseinlagen der Spielerinnen sowie der Live-Musikerin Sarah Taylor Ellis verhindern, dass der Abend zu frontal und textlastig wird
Freundlicher Beifall für das (bis auf einen Mann ganz außen in der Applaus-Ordung) weibliche Team nach der Sophiensaele-Premiere am 12. Februar 2026. In Berlin gibt es noch drei Vorstellungen an den kommenden Tagen. Dann zieht die Koproduktion weiter ans Théatre de la Ville de Luxembourg und ans Theater im Pumpenhaus Münster.
Bilder: Mayra Wallraff