Love me tender

Der autofiktionale Roman „Love me tender“ der französischen Anwältin und Schriftstellerin Constance Debré gehört zu den angesagten Büchern der vergangenen Jahre. 2025 wurde er kurz nacheinander von Marie Rosa Tietjen als Solo-Performance im Roten Salon der Volksbühne und als Spielfilm mit Vicky Krieps in der Sektion Un certain regard adaptiert, Anfang 2026 folgte ein Sprech-Oratorium von Felicitas Brucker und drei Spielerinnen in der Therese Giehse-Halle, das Nachtkritik an diesem Wochenende begeistert besprach.

Im seit Tagen ausverkauften Roten Salon dominieren die jungen Frauen, die sich von diesem feministischen Empowerment-Text über die schwierige Selbstfindung der Hauptfigur besonders angesprochen fühlen. Ungewöhnlich ist die Sitzordnung für diesen 75 Minuten kurzen Abend, wie an einem Laufsteg sitzt das Publikum links und rechts von einer schmalen Gasse. Durch diese tigert die Solo-Performerin hin und her, wirft den Zuschauerinnen flirtende Blicke zu und trägt zentrale Passagen des Buchs vor. 

Tietjen konzentriert sich auf das Thema der sexuellen Befreiung und die zahlreichen lesbischen Affären, in die sich die Protagonistin stürzt. Der Ex-Mann war so empört und gekränkt, dass er ihr jeden Umgang mit dem gemeinsamen Sohn gerichtlich untersagen wollte. Dieser Rechtsstreit tritt in der Fassung des Regisseurs Zino Wey für die Volksbühne etwas in den Hintergrund.

Trotz der räumlichen Nähe zur Performerin und ihrer fast ständigen Bewegungen mutet der kurze Abend über weite Strecken fast wie eine szenische Lesung an. Mehrere Stapel Blätter hat Tietjen im Raum verteilt, von denen sie abliest, bevor sie sie zu Boden fallen lässt. Kleinere Fitness-Übungen, mehrere Songs (Musik: Lex Landergott) und eine akrobatische Einlage zum Finale runden eine Performance für die kleine Spielstätte ab, die ihr Zielgruppen-Publikum abholt, aber dramaturgisch oder theatralisch außer der ungewöhnlichen Raum-Anordnung nichts bietet, was man nicht aus ähnlichen Abenden kennt.

„Love me tender“ hatte am 2. April 2025 im Roten Salon der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz Premiere.

Bild: Luna Zscharnt

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